Handlungsfeld - Tätigkeitsfeld - Lernfeld - Lernsituation ...

... Handlungsorientierung und Kompetenzen: Viele Begriffe - und viel Verwirrung?

„Die Berufsschule und die Ausbildungsbetriebe erfüllen in der dualen Berufsausbildung einen gemeinsamen Bildungsauftrag. Die Berufsschule ist dabei ein eigenständiger Lernort. (...) Aufgabe des berufsbezogenen Unterrichts ist es, den Schülerinnen und Schülern - in Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben - den Erwerb einer fundierten beruflichen Handlungskompetenz zu ermöglichen. Die Vermittlung (...) erfolgt (...) weitgehend fächerübergreifend und handlungsorientiert.“ (Dieses Zitat und alle folgenden aus den Rahmenlehrplänen für die gastgewerblichen Ausbildungsberufe).

Wie soll die Schule vorgehen, was ist Handlungsorientierung, warum Lernfelder? Ein Versuch, die Begriffe des Lehrplans kurz zu erklären, voneinander abzugrenzen und miteinander zu verbinden.

 
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Das grobe Gerüst, die Grundstruktur - vom Tätigkeitsfeld zum Lernfeld

Um Auszubildende auf ihren Beruf optimal vorzubereiten, steht für die moderne Lernfeld-Pädagogik nicht mehr die systematische Strukturierung des Wissens z. B. in Fächer im Vordergrund.
Betrachtet werden die Tätigkeiten und Handlungen, die später im Beruf gefragt sind. Diese Tätigkeiten und Handlungen werden in größeren Einheiten betrachtet, zu Tätigkeitsfeldern oder Handlungsfeldern zusammengefasst. Sie bilden das Grundgerüst für die Ausübung des Berufs.
Die für die Berufsschulen verbindlichen Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz (KMK) berücksichtigen diese Tätigkeitsfelder oder Handlungsfelder des Berufs. Sie bereiten sie pädagogisch so auf, dass für den Beruf typische Lernfelder entstehen. Diese Lernfelder bilden das Grundgerüst, die Struktur, für das Lernen im Unterricht.

 
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Was soll vermittelt werden? Die verschiedenen Kompetenzen

Um den Auszubildenden den Berufsalltag zu vermitteln, soll der Unterricht praxisnah aufgebaut sein. Schülerinnen und Schüler sollen sich dabei nicht nur das notwendige Wissen aneignen können, sondern auch die im Beruf geforderten Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen).
Im Beruf sind neben den eigentlichen fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie z. B. zum Service (Fachkompetenz) auch allgemeine Fähigkeiten und Fertigkeiten gefragt - z. B. im zwischenmenschlichen Umgang, bei der Arbeit im Team oder zur eigenständigen Weiterentwicklung im Beruf. Daher sollen auch diese Kompetenzen im Unterricht mit vermittelt werden (Personalkompetenz, Sozialkompetenz).

Die im Beruf verlangten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen im Gesamtzusammenhang eingeübt werden. Die Art und Weise des Unterrichts wird darauf abgestimmt, die unterschiedlichen Kompetenzen werden unter dem Begriff „(allgemeine und berufliche) Handlungskompetenz“ zusammengefasst:
Der Unterricht ist „auf die Entwicklung von Handlungskompetenz gerichtet. Diese ist  (...) die Bereitschaft und Fähigkeit des Einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie (...) sozial verantwortlich zu verhalten. Zur Erreichung dieser Ziele muss die Berufsschule den Unterricht an einer (...) Pädagogik ausrichten, die Handlungsorientierung betont.“ 

 
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Wie soll vermittelt werden? Aspekte der Handlungsorientierung

Um den Auszubildenden eine solche umfassende Handlungskompetenz nahezubringen, wird im handlungsorientierten und lernfeldorientierten Unterricht das konkrete, berufliche Handeln in den Vordergrund gestellt.
Ausgehend von der Grundstruktur der Lernfelder (s. o.) wird in jedem Lernfeld eine Vielzahl von Situationen behandelt, die für die Berufsausübung bedeutsam sind. Bei der Behandlung dieser Lernsituationen im Unterricht sollen die Schüler Handlungen des Berufs möglichst selbst ausführen oder aber gedanklich nachvollziehen - und zwar vollständig: „Handlungen müssen von den Lernenden möglichst selbstständig geplant, durchgeführt, überprüft, ggf. korrigiert und schließlich bewertet werden.“

Diese Orientierung an den Handlungen des Berufs kann mit Hilfe unterschiedlicher Methoden erfolgen. Geeignet sind vor allem Methoden, die die Vermittlung mehrerer Kompetenzen gleichzeitig unterstützen (u. a. eigenständige Informationsbeschaffung, Teamarbeit, Präsentationen). „Im Sinne eines ganzheitlichen Lernens ist projektorientiertes Arbeiten anzustreben.“
Wenn der Unterricht methodisch abwechslungsreich gestaltet wird, wenn die ganzheitliche Vermittlung von allgemeiner und beruflicher Handlungskompetenz ausgewogen umgesetzt wird, dann können die Auszubildenden auch die Fähigkeit entwickeln, sich eigenständig weiterzubilden (und wieder Kompetenzen: Lernkompetenz, Methodenkompetenz).

 
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Das Ausbildungsziel erreicht? Gutes Personal für die Betriebe

Am Ende der Ausbildung haben die Auszubildenden fundierte theoretische und praktische Qualifikationen erworben. Diese bilden die Grundlage für die fachlich korrekte Ausübung ihres Berufs. Im Idealfall verfügen sie zusätzlich über

  • selbstständiges analytisches und vernetztes Denken,
  • Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein,
  • Team- und Kommunikationsfähigkeit,
  • Methodenkompetenz für die selbstständige Wissenserweiterung.

Alles zusammen die idealen Voraussetzungen für eine Karriere im Gastgewerbe.

 

 
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13. Auflage 2013

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